Trauer, Liebe, Gemeinsam halten, Zusammenhalt,

Menschenwürde

August 03, 20263 min read

Trauerfeier - für die Opfer des Anschlages auf den CSD Berlin.

Ich hatte Glück. Meine Lieben hatten Glück.

Bewusst werden.

Heute sehe ich mich selbst in den Nachrichten.

Auf Bildern.

Mit traurigem Blick.

Neben meiner Partnerin.

Nicht, weil ich dort stehen wollte.

Sondern weil ein Terroranschlag auf den CSD Menschen zusammengebracht hat, die füreinander einstehen wollten – gegen Hass, gegen Angst und gegen das Schweigen.

Dass ich heute sichtbarer bin als erwartet, fühlt sich merkwürdig an.

Und vielleicht ist genau jetzt der Moment, wieder sichtbarer zu werden.

Nicht nur als lesbische Frau.

Nicht nur als afrodeutsche Frau.

Sondern als Mensch.

Traurig.

Schockiert.

Und ja – auch wütend.

Denn wir sprechen hier nicht über einen „Vorfall“.

Nicht über einen „Zwischenfall“.

Wir sprechen über einen Terroranschlag.

Über gezielte Gewalt gegen Menschen, deren vermeintlicher „Fehler“ darin besteht, zu lieben, zu leben und sichtbar zu sein.

Mein tiefes Mitgefühl gilt den Opfern, ihren Familien, Freund:innen und allen, die diesen Tag nie wieder vergessen werden. Kein Mensch sollte Angst haben müssen, weil er oder sie sichtbar lebt oder liebt.

Als Schwarze Frau habe ich früh gelernt, dass Sicherheit niemals selbstverständlich ist.

Ich habe gelernt, aufmerksam zu sein.

Räume zu lesen.

Gefahren mitzudenken.

Mich zu regulieren.

Das allein ist schon eine Zumutung.

Und trotzdem wünsche ich mir mehr als Schutz.

Denn Schutz ist notwendig.

Aber Schutz allein ist kein gesellschaftliches Ziel.

Mein Wunsch geht weiter.

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der Menschenwürde nicht ständig verteidigt werden muss, weil sie längst selbstverständlich ist.

Eine Gesellschaft, die Hass nicht erst dann ernst nimmt, wenn Menschen verletzt oder getötet werden.

Sondern dort, wo er beginnt.

In Sprache.

In Abwertung.

In Entmenschlichung.

In Witzen.

In Kommentaren.

In politischen Parolen.

In dem Moment, in dem Menschen anfangen, andere Menschen weniger wert zu machen.

Wir leben gerne in dem Bewusstsein einer freiheitlichen Demokratie.

Wir zeigen auf Länder, in denen queere Menschen verfolgt, Frauen entrechtet oder Minderheiten unterdrückt werden.

Das ist richtig.

Aber Demokratie beweist sich nicht im Vergleich mit anderen.

Sie beweist sich darin, wie konsequent sie die Würde ihrer eigenen Menschen schützt.

Nicht irgendwann.

Jeden einzelnen Tag.

Meine Wut richtet sich nicht gegen einzelne Menschen.

Sie richtet sich auch nicht gegen diejenigen, die bereit sind zuzuhören, sich zu hinterfragen und dazuzulernen.

Sie richtet sich gegen Strukturen, gegen Gleichgültigkeit und gegen das Wegsehen dort, wo Menschenwürde längst hätte verteidigt werden müssen.

Gegen das ewige:

"So schlimm wird es schon nicht sein."

Doch.

Es ist schlimm.

Und es beginnt niemals erst mit einem Anschlag.

Es beginnt lange vorher.

Dort, wo Hass geduldet wird.

Wo Diskriminierung verharmlost wird.

Wo Menschen schweigen, obwohl Haltung gefragt wäre.

Ich wünsche mir keine Gesellschaft, die vulnerable Gruppen immer besser schützen muss.

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die alles dafür tut, dass Menschen gar nicht erst zu vulnerablen Gruppen gemacht werden.

Eine Gesellschaft, in der Menschenwürde kein Schutzschild sein muss.

Sondern der Boden,

auf dem wir alle selbstverständlich stehen.

Nicht irgendwann.

Jetzt!

In Liebe,

Mo


Angela Mohaupt - Coachin & psychologische Beraterin
Begleitung mit Haltung – für Wandel, Verbindung & innere Klarheit

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